Kryptowährungen und Steuern

Hintergrund

Seit etwas mehr als einem Jahr beschäftige ich mich sehr intensiv mit Kryptowährungen. Vorher habe ich sie ein bisschen beobachtet und verfolgt, aber nicht sehr intensiv.

Als ich vergangenes Jahr einen Auftrag zur steuerlichen Beratung erhalten habe und mich diese Person relativ frühzeitig gefragt hat, ob man für meine Beratungsleistungen auch in Bitcoin bezahlen könne, war mein Interesse nochmal neu und stark angefacht. Zunächst habe ich „nein“ gesagt, da ich mich erst selbst nochmal intensiver mit Blockchain, Bitcoin, Kryptowährungen befassen musste und wollte. Nachdem ich mich intensiv eingelesen hatte und – natürlich – auch ein paar Tests selbst durchgeführt habe, habe ich zugestimmt. Seit Februar 2018 ist es jedem meiner Mandanten freigestellt, die von mir bezogenen Leistungen in Fiat-Währungen (altbekannte Währungen wie z.B. Euro, US-Dollar usw.) oder in Kryptowährungen (z.B. Bitcoin, Ethereum, Litecoin, STEEM) zu bezahlen.

 

Was sind Kryptowährungen?

Ich weiß, dass die folgenden Ausführungen einigen meiner Mandanten bekannt sind – im Zweifel habe ich gerade von Euch viel diesbezüglich gelernt. Diese dürfen gerne weiter nach unten scrollen und bei den für sie entscheidenden Themen weiterlesen. Dies hier ist als Einführung für die Personen gedacht, die sich bisher noch nicht mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen beschäftigt haben.

Ich fasse mich im Folgenden sehr kurz – auch in dem Wissen, dass ich damit nicht alle Fragen beantworten kann. Wollte ich dies, könnte ich hier endlos weiterschreiben. Zwischenzeitlich gibt es nämlich etwas mehr als 2.100 Kryptowährungen weltweit. Im Februar diesen Jahres waren es noch etwas mehr als 1.700. Das heißt, wenn ich zu jeder Kryptowährung etwas schreiben wollte, bräuchte ich nichts anderes mehr tun.

Genau hier liegt ein sehr interessanter Punkt. Die Kryptowährungen sind nämlich im Regelfall nicht nur ein – evtl. nur für ein paar Nerds – gültiges Zahlungsmittel. Sie können meist mehr.

Woher kommen die Kryptowährungen?

Die erste Kryptowährung war der Bitcoin. Diese „Münzen“ (engl.: coin) sind seit 2009 im Umlauf. Erfunden wurden die Bitcoin von – ja, wem eigentlich? Es gibt dazu nur ein Pseudonym. Satoshi Nakamoto. Diese Person / Personengruppe / Organisation (?) – niemand weiß bis heute, wer dahinter steckt. Außer natürlich Satashi Nakamoto selbst. Aber ich kenne ihn/sie/es nicht.

Satashi Nakamoto erfand 2008 eine digitale Geldeinheit in einem weltweiten dezentralen Zahlungssystem – dezentral bedeutet, dass keine Zentralbanken, Geldbanken, politische Kontrollinstanzen oder andere übergeordnete Instanzen dabei eine Rolle spielen. Der Bitcoin ist unabhängig davon.

Und woher kenne ich dann meinen „Kontostand“ an Kryptowährungen?

Bitcoin und viele – nicht mehr alle – Kryptowährungen basieren auf der sog. Blockchain-Technologie. Weltweit sind hierfür Rechner zusammengeschlossen, die zusammen ein dezentrales Datenbanksystem aufbauen. Diese Rechner verwalten und verschlüsseln Transaktionen im jeweiligen Kryptowährungssystem. Im Fall von Bitcoin geschieht dies mit immer komplexeren Rechenaufgaben (sog. „Hash“). Die Transaktionen werden in Datenblöcken (engl.: „block) verschlüsselt und zu Ketten (engl.: „chain“) aneinandergefügt. Im zehnminütigen Abstand werden Aktualisierungen vorgenommen, so dass die Inforamtionenen immer zeitgleich auf allen Rechnern  verfügbar sind.

Zahlungen in Bitcoin sind anonym, deshalb werden sie für finstere Machenschaften genutzt – stimmt das?

Dem System immanent ist, dass sämtliche Transaktionen für alle Zeiten in der Blockchain nachvollziehbar sein müssen. Die Bestätigung neuer Transaktionen wäre ansonsten gar nicht mehr möglich. Diese Transaktionen sind somit jederzeit für alle öffentlich einsehbar, auch für Strafverfolgungsbehörden und Finanzbehörden.

Die hierfür genutzten kryptischen Zahlen verwendet sind nicht ohne Aufwand einer besonderen Person zuordenbar. Aber durch die Analyse der Transaktionsdaten können viele  und im Zweifel ausreichende Rückschlüsse gezogen werden. Kriminelle müssen also extrem gut aufpassen, keine Fehler zu begehen. Denn jeder, auch ein einziger kleiner Fehler wird dauerhaft im System gespeichert und kann jederzeit zur Entdeckung führen. Für illegale Geschäfte ist also nach wie vor Bargeld besser geeignet als Bitcoin oder andere Kryptowährungen. Zur Klarstellung: dies hier ist kein Aufruf zur Durchführung illegaler Geschäfte, mit keiner Währung und über keine Art und Weise. Es sollte bloß eine Darstellung sein, die der häufig anzutreffenden Darstellung widerspricht, Bitcoin und andere Kryptowährungen würden hauptsächlich für illegale Aktivitäten genutzt.

Wie kann jeder Normalbürger Bitcoin oder andere Kryptowährungen bekommen?

Wenn jemand Bitcoin oder andere Kryptowährungen haben möchte, kann er diese auf verschiedene Arten und Weisen erhalten. Einerseits gibt es zwischenzeitlich auf Kryptowährungen spezialisierte Online-Börsen. Dort können Kryptowährungen gehandelt werden – dort werden Kauf und Verkauf der Kryptowährungen durch die Marktteilnehmer vorgenommen.

Darüber hinaus können Kryptowährungen in den meisten Fällen nicht nur gekauft werden, sondern auch durch sog. „Mining“ erworben werden.

Im Rahmen sog. AirDrops kann man – meist nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden – davon profitieren, dass man sich Kryptowährungen schenken lässt. Hintergrund dafür ist meist, dass die Herausgeber einer neuen Kryptowährung diese bekannt machen wollen. Dafür nehmen sie quasi ein Marketingbudget in die Hand und verteilen dieses in Form der neuen Kryptowährung an die dafür qualifizierten Marktteilnehmer. Beispiele hierzu gebe ich gerne auf der folgenden Seite.

Was machen die „Miner“?

„Mining“ ist ein englischer Begriff und bedeutet Schürfen. Für den Miner geht es darum, neue Coins zu schürfen, vom Begriff her vergleichbar mit dem Schürfen von Gold. Der Bitcoin wurde ja auch schon mal als das „neue Gold“ bezeichnet. Das muss sich in der Zukunft noch zeigen.

Tatsächlich ist das Mining vielleicht sogar eher mit meinem Beruf als Wirtschaftsprüfer vergleichbar. Als Wirtschaftsprüfer ist es u.a. meine Aufgabe, Jahresabschlüsse meiner Mandanten auf Richtigkeit mit den handelsrechtlichen Vorgaben zu überprüfen.

Die Miner im Bitcoin-System überprüfen, dass die neuen Informationsblöcke korrekt sind. Dazu werden einerseits die historischen Daten auf Übereinstimmung überprüft und natürlich auch die neu dazugekommen Daten. Das geschieht voll automatisiert im Hintergrund durch die Rechner. Der Besitzer oder Eigentümer des Rechners kann und darf hier nicht mehr eingreifen.

Im Anschluss muss der Rechner noch eine Bestätigung über sein Arbeitsergebnis erstellen (evtl. vergleichbar mit dem Testat des Wirtschaftsprüfers, in dem er zum Ausdruck bringt, ob der Jahresabschluss mit den jeweiligen Kriterien in Übereinstimmung steht oder nicht). Im Rahmen der Bitcoin-Technologie muss der Rechner dafür eine komplexe Rechenaufgabe lösen.

Ist diese Aufgabe gelöst, erhält der Rechner quasi sein Honorar, wie ich als Wirtschaftsprüfer nach Abschluss meiner Tätigkeiten auch vom Mandanten mein Honorar erhalte. Bloß erhält der Rechner beim Mining keine Euro oder US-Dollar, sondern Bitcoin oder eine andere Kryptowährung.

Hierzu muss ich erwähnen, dass das Mining stark die Kapazitäten des Rechners angreift. In den Internetforen wird – soweit ich dies erkennen kann – einhellig die Auffassung vertreten, dass sich das Bitcoin-Minig aufgrund der hohen Stromkosten in Deutschland nicht mehr lohnen würde.

Kryptos verdienen mit Arbitrage?

Vor allem Ende 2017 war auch häufig davon zu lesen, dass Kryptowährungen risikolos mit Arbitrage-Geschäften verdient wurden. Worum geht es dabei?

Bei der Arbitrage werden Preisunterschiede an den verschiedenen Börsen zum Handel genutzt. Ein Beispiel dazu: Wenn Ethereum z.B. bei Coinbase 550 € kostet, bei Binance aber z.B. bei 545 € steht, kann es sich – nach Abzug der Gebühren – immer noch lohnen, bei Binance zu kaufen und bei Coinbase zu verkaufen. Das wird deshalb häufig als risikolos dargestellt, weil man die unterschiedlichen Preise schon sieht und danach handeln kann. Man ist nach dem Kauf nicht mehr darauf angewiesen, dass die Preise immer weiter steigen, um Gewinne zu erwirtschaften.

Allerdings muss man bei dieser Handelsart natürlich sehr schnell sein, denn die Arbitrageure führen dazu, dass sich die Preise über alle Börsen immer wieder angleichen. Und nur die Schnellsten können beim Auftreten von Preisunterschieden den Gewinn erwirtschaften.

Heute werden auch die Arbitrage-Geschäfte meist von Algorithmen erledigt, so dass das persönliche Beobachten mehrerer Börsen durch echte Personen meist nicht mehr gewinnbringend ist.

Wie sicher sind Bitcoin und Kryptowährungen?

Dieses System stellt sicher, dass Transaktionen nachträglich nicht mehr verändert werden können, da immer mehrere Miner die Richtigkeit der Transaktion bestätigen müssen. Hierdurch soll eine größere Sicherheit erreicht werden, als z.B. Banken diese heute bieten können. Würde eine Bank durch einen Hacker-Angriff so weit beeinträchtigt, dass die Hacker Zugriff zu den Kontodaten der Kunden erhalten, könnten diese Hacker die bei der Bank gespeicherten Informationen (z.B. wer hat wie viel Geld?) möglicherweise zu ihren Gunsten verändern. Natürlich haben Banken dagegen vorgesorgt und sich auch versichert. Es wäre allerdings eine theoretische Möglichkeit.

Im Falle der Kryptowährungen muss jede Transaktion, d.h. Veränderung in der Blockchain von einer Vielzahl unabhängiger Rechner bestätigt werden, so dass unautorisierte Veränderungen nahezu ausgeschlossen sind.

Darüber hinaus ist natürlich jeder User selbst dafür verantwortlich, dass die „Kontodaten“ für die Kryptowährungen nicht in falsche Hände gelangen.

Was sind Fiat-Währungen?

Der Begriff „Fiat“ leitet kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt ins Deutsche so viel wie „Es werde“. –> „Es werde Geld“. Fiat-Geld ist also solches, welches ohne eigenen inneren Wert als Tauschmittel dient.

Das Gegenteil von Fiat-Währungen ist Warengeld, z.B. Reis oder Gold. Warengeld hat neben dem äußeren Tauschwert auch einen inneren Wert, unabhängig von Regierungen.

Und wie geht es mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiter?

Tja, das werden wir in ein paar Jahren wissen.

Heute werden Kryptowährungen von verschiedenen Onlineshops aber auch von lokalen Unternehmen akzeptiert. Die Anzahl ist allerdings noch relativ gering. Allerdings bin auch ich eine der Personen, die Kryptowährungen akzeptieren. Wer sich von mir beraten lässt, kann meine Leistungen in einer Kryptowährung bezahlen. Ich persönlich erwarte, dass Kryptowährungen nicht mehr ganz untergehen werden. Ob sie jemals die Fiat-Währungen ablösen werden, kann ich heute noch nicht sagen.

In einer Studie von statista (gesehen in der Zeitschrift Focus Money, 30/2018, S. 36) findet sich die Angabe, dass derzeit ca. fünf Millionen Deutsche Kryptowährungen halten, das entspricht ungefähr sechs Prozent der deutschen Bevölkerung. In anderen Ländern ist der Anteil der Personen, die Kryptowährungen haben, teils noch deutlich größer, allen voran die folgenden:

  • Japan: 11 %
  • Großbritannien und USA: 9 %
  • Indien: 7 %
  • Südkorea: 6 %
  • China: 3 %

In diesem Artikel wird auch festgestellt, dass der Bitcoin (noch) das Maß aller Dinge bei Kryptowährungen ist. Technisch ist er zwischenzeitlich allerdings schon überholt.

 

Und jetzt: Warum Steuern auf Kryptowährungen?

Allgemeines

Schon in 2017 habe ich festgestellt, dass die Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, einige der Menschen in meinem Umfeld interessiert und bewegt haben. Auch mich.

Und immer mehr Menschen haben Kryptowährungen, aus unterschiedlichen Anlässen. Manche handeln damit, andere beschäftigen sich durch Mining mit ihnen. Wieder andere betreiben sogar sog. Mining-Pools (Anbieten einer Plattform, auf der sich Miner zusammenschließen können, um ihre Hash-Rate zu erhöhen und dadurch die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, einen neuen Block der bestimmten Kryptowährung zu finden und auch das Honorar für die Bestätigung zu erhalten). Zwischenzeitlich gibt es sogar die Möglichkeit, mit bestimmten Spielen online Kryptowährungen zu verdienen. Und manchmal ist sogar die Not dafür verantwortlich, Kryptowährungen zu erhalten. Im vergangenen Jahr habe ich häufig darüber gelesen, dass es Hackern gelungen ist, Passwörter von Computern herauszufinden. So wurden z.B. Inhalte des Computers gesperrt oder die Löschung von Dateien angedroht, falls nicht eine bestimmte Summe Bitcoin bezahlt würde. So hat mancher Unternehmer zur Freischaltung seiner Daten Bitcoin gekauft.

Zusammengefasst: immer mehr Menschen in Deutschland haben Bitcoin und andere Kryptowährungen, erzielen damit evtl. (Kurs-)gewinne oder -verluste. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine Besteuerung der Gewinne vorgenommen werden muss und/oder ob man das Finanzamt vielleicht an den Verlusten beteiligen kann. Und natürlich: Falls ja, wie?

Im Folgenden fange ich mal mit der Ertragsteuerbelastung an, also Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer. Allerdings nur rudimentär. Denn die Darstellung der Details würde hier – wegen der vielen unterschiedlichen Kryptowährungen – viel zu weit führen.

Können Kryptowährungen überhaupt besteuert werden?

Es kursieren zur Zeit viele Ansichten im Internet, warum Kryptowährungen besteuert oder auch nicht besteuert werden dürfen. Z.B. liest man immer wieder die Aussage, dass Kryptowährungen ja nicht von einem Staat ausgegeben werden (wie das Geld, das wir bisher meist nutzen und kennen). Da kein Staat die Kryptowährung ausgegeben hat, dürfe auch kein Staat diese besteuern. Dies Auffassung kann ich nicht teilen. Denn die deutschen Steuergesetze knüpfen ja nicht nur an die Besteuerung von Euro an. Es werden in Deutschland auch US-Dollar und andere Fiat-Währungen und sogar andere Vermögenswerte, z.B. Werterhöhungen bei Grundstücken oder anderen Vermögensgegenständen, besteuert.

Auf die Diskussion, dass Steuern per se nicht rechtens wären, sondern eine unzulässige Enteignung darstellen würden, gehe ich hier nicht ein.

Manche Personen vertreten auch die Auffassung, dass Kryptowährungen in Deutschland nicht besteuert werden könnten, da diese in den deutschen Steuergesetzen gar nicht ausdrücklich geregelt seien. Es ist richtig, dass Kryptowährungen nicht ausdrücklich in den deutschen Steuergesetzen als steuerpflichtig genannt sind. Die deutschen Steuergesetze nennen allerdings viele Vermögensgegenstände, die in Deutschland besteuert werden, nicht ausdrücklich. Die Besteuerung erfolgt trotzdem auf Basis der im deutschen Steuerrecht sehr allgemein gehaltenen Definitionen der steuerpflichtigen Geschäftsvorfälle.

Welche Vorschrift regelt die Besteuerung von Kryptowährungen?

Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Was man häufig liest, ist ein Hinweis darauf, dass Gewinne aus Kryptowährungen steuerfrei seien, wenn man die Kryptowährung wenigstens ein Jahr lang hält.

Das stimmt nach meinem Verständnis nur bedingt.

Diese Vorschrift – sog. Spekulationssteuer – greift nur dann, wenn man die zur Rede stehenden Vermögensgegenstände anschafft und wieder veräußert.

Knackpunkt 1: erzielt man aus diesem Vermögensgegenständen während der Zeit des Haltens noch weitere Einkünfte, z.B. Zinsen, erhöht sich die Frist auf zehn Jahre.

Knackpunkt 2: diese Vorschrift zu den sog. Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften gelten tatsächlich nur im Privatbereich. Wer über eine Firma Kryptowährungen kauft und verkauft, kann davon keinen Gebrauch machen.

Knackpunkt 3: diese sog. privaten Veräußerungsgeschäfte sind eine Auffangvorschrift im deutschen Einkommensteuergesetz. sofern die Einkünfte einer anderen Einkunftsart zuzuordnen sind, ist diese Zuordnung vorrangig vorzunehmen.

Genau deshalb kann man nicht automatisch sagen, dass bei Einkünften aus Kryptowährungen Steuerfreiheit gegeben ist, wenn sie nicht unter diese Vorschrift fallen.

Welche anderen Einkunftsarten gibt es?

Das deutsche Einkommensteuergesetz unterscheidet insgesamt sieben Einkunftsarten:

– Land- und Forstwirtschaftliche Einkünfte

– Gewerbebetrieb

– Selbständige Arbeit

– Nichtselbständiger Arbeit

– Kapitalvermögen

– Vermietung und Verpachtung

– Sonstige Einkünfte

Es gibt im deutschen Einkommensteuergesetz eine klare Prüfungsreihenfolge. Sonstige Einkünfte (wozu auch die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften (s.o.) gehören), können nur vorliegen, wenn die Einkünfte nicht einer der anderen, vorrangigen Einkunftsarten zuzuordnen sind.

Die Vorschrift zu den Einkünften aus Kapitalvermögen sieht alle anderen Einkunftsarten, außer die sonstigen Einkünfte, als vorrangig an.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung liegen nur vor, wenn die Einkünfte nicht einer anderen, vor diesen vorrangigen Einkunftsart zuzurechnen sind. Im Grunde ist hier also die Prüfung rückwärts durchzuführen. Nur wenn die Einkünfte aus den Kryptowährungen nicht solche aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb, aus selbständiger Arbeit oder aus nichtselbständiger Arbeit sind, kommen die anderen drei Einkunftsarten in Betracht. Und davon sind die Sonstigen Einkünfte die zuletzt zu prüfende Auffangvorschrift.

Sollten bestimmte Einkünfte aus Kryptowährungen (oder auch andere) nicht unter einer der Kategorien zu fassen sein, einschließlich der Auffangkategorie „Sonstige Einkünfte“, dann sind die entsprechenden Einkünfte tatsächlich in Deutschland nicht zu besteuern.

Was sind die wesentlichen Kriterien für die einzelnen Einkunftsarten?

Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft

Diese liegen vor z.B. bei Tierhaltung, Weinbau, dem Betrieb von Landwirtschaft oder Forstwirtschaft. Auch ein Gartenbau gehört dazu. Diese Einkunftsart fällt im Zusammenhang mit Kryptowährungen eher raus.

Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Wer einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung nachgeht und dabei die Absicht hat, Gewinn zu erwirtschaften und sich dafür am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligt, erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Selbst wenn die Gewinnerzielungsabsicht nur ein Nebenzweck ist, die Voraussetzungen aber im Übrigen erfüllt sind, erzielt die Person Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Wichtig zu wisse: Falls Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen, ist damit im Regelfall auch eine Gewerbesteuerpflicht verbunden.

Und noch ein Hinweis: Werden Kryptowährungsgeschäfte im Rahmen einer Kapitalgesellschaft, z. B. einer GmbH oder UG (haftungsbeschränkt) vorgenommen, greifen die deutschen Vorschriften zur Körperschaftsteuer.

Einkünfte aus selbständiger Arbeit

Wer eine sog. freiberufliche Tätigkeit ausübt, erzielt Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Zu diesen Einkünften gehören z.B. eine Autorentätigkeit, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Arzt, Tierarzt. Hierzu nennt das deutsche Einkommensteuergesetz einen Katalog von Berufen, die darunter fallen.

Hierzu fällt mir spontan die Plattform Steemit ein. Dort kann jeder, der möchte, einen Blog betreiben. Andere Blogger können die Beiträge bewerten (ähnlich ist es bei Facebook mit dem Daumen). Bei Steemit erhalten die Blogger Upvotes für ihre Beiträge und – in Abhängigkeit von den Upvotes und bestimmten anderen Faktoren – eine Woche nach dem Beitrag eine Zahlung in der Kryptowährung STEEM und/oder in SBD. Blogger gehören nach der bisherigen Rechtsprechung in Deutschland zur Kategorie der als Autoren selbständig tätigen Personen. Somit könnten die Einkünfte in STEEM oder SBD zu den Einkünften aus selbständiger Arbeit gehören.

Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit

Im Angestelltenverhältnis oder Beamtenverhältnis befindliche Personen erzielen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Sämtlich Einkünfte, die diese Personen vom Arbeitgeber erhalten, zählen zu diesen Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, z.B. auch eine Bezahlung – evtl. in Teilen – in Kryptowährungen.

Dies könnte z.B. bei einem meiner Mandanten der Fall sein. Ein Teil seines Gehaltes erhält dieser in Form einer Kryptowährung.

Einkünfte aus Kapitalvermögen

Kurz gefasst, aber nicht abschließend: Zinsen auf Geldanlagen, Dividenden von Unternehmen gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Bestimmte Kryptowährungen sind z.B. mit solch einer Mechanik ausgestattet. Wer schon einzelne Coins hat, bekommt durch eine Verzinsung weitere Coins.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Die Vermietung z.B. von Grundstücken, Häusern, Schiffen, Flugzeugen, aber auch von Rechten oder Patenten führt zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Dies ist bei Kryptowährung eher nicht der Fall, aber nicht ganz auszuschließen.

Sonstige Einkünfte

Das ist, wie gesagt, die Auffangvorschrift. Einkünfte, die unter keine der anderen Steuerarten fallen, sind noch dahingehend zu überprüfen, ob sie unter diese Vorschrift fallen. Hierzu gehört auch die sog. Spekulationssteuer, die mit den Fristen von einem oder zehn Jahren arbeitet und nach Ablauf dieser Fristen die Veräußerungsgewinne steuerfrei stellt.

Wie erfolgt dann die Besteuerung?

Als wären die verschiedenen Einkunftsarten und die Notwendigkeit der Zuordnung der Einkünfte zu einer davon nicht schon komplex genug, kommt bei der tatsächlichen Besteuerung ein weiterer Aspekt zum Tragen. Der Zeitpunkt der Versteuerung der Einkünfte. Bei bestimmten Einkunftsarten gilt das sog. Zufluss-/Abflussprinzip. Die Besteuerung erfolgt in diesen Fällen grundsätzlich in dem Jahr, in dem die steuerpflichtigen Erträge zufließen. Das gilt zum Beispiel beim Bezug von Löhnen und Gehältern.

In anderen Fällen, z.B. bei Einkünften aus Gewerbebetrieb, muss manchmal schon versteuert werden, obwohl der Kunde noch kein Geld gezahlt hat. Z.B. wenn im alten Jahr noch eine Rechnung geschrieben wurde, läuft sie u.U. in die Besteuerung rein, obwohl das Geld vom Kunden erst im Folgejahr bezahlt wird.

Liebhaberei?

Liebhaberei im Steuerrecht. Wie geht das zusammen? Der Begriff der Liebhaberei bedeutet im Steuerrecht, dass durch eine Tätigkeit im Regelfall mehr Kosten entstehen als Umsätze generiert werden. Somit werden über die Totalperiode, in der ein Steuerpflichtiger seinem „Hobby“ nachgeht, Verluste erwirtschaftet. An diesen beteiligt sich das Finanzamt nicht.

Ein typisches Beispiel ist die Vermietung eines Ferienwohnhauses oder – wenn man hat – einer Yacht. Die Preise, um aus der Vermietung Gewinn erwirtschaften zu können, bekommt man meist nicht, so dass die hohen Kosten häufig zu Verlusten führen. In solchen Fällen spricht das Finanzamt von Liebhaberei.

Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Mining von Kryptowährungen könnte ebenfalls Liebhaberei vorliegen. Und zwar dann, wenn die Kosten für die Nutzung eines Rechners (Anschaffungskosten verteilt über die Nutzungsdauer, Strom, Reparatur, Austauschteile) höher sind als die Erträge aus dem Mining von Kryptowährungen. Die Kryptowährungen sind in diesem Fall steuerfrei. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass man dafür mehr Kosten hatte als Erträge. Das heißt, rein wirtschaftlich betrachtet, hat man für den Erwerb der Kryptowährung mehr bezahlt, als man bekommen hat.

Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer darf im Zusammenhang mit Kryptowährungen nicht unterschlagen werden. Denn auch diese könnte Anwendung finden.

Im Februar 2018 gab es eine Äußerung seitens der deutschen Verwaltung, dass die Kryptowährungen, soweit sie keinen anderen Zweck als den eines Zahlungsmittels haben, den Fiat-Währungen gleichzusetzen sind (Übernahme der Rechtsprechung des EuGH). Solange also z.B. nur Rechnungen mit einer bestimmten Kryptowährung bezahlt werden können, ist diese Entgeltentrichtung nicht umsatzsteuerbar.

Akzeptiert allerdings ein Unternehmer die Bezahlung einer Rechnung in einer Kryptowährung, so schuldet er auch die darauf entfallende Umsatzsteuer, genau so, als würde er in einer Fiat-Währung bezahlt. So ist es zum Beispiel bei mir: wenn ein Mandant meine Rechnung z.B. in Litecoin bezahlt – was ich meinen Mandanten anbiete – , schulde ich als Unternehmer die auf die von mir erbrachte Leistung (trotzdem) die Umsatzsteuer.

Was passiert bei Nichtzahlung von Steuern?

Wenn dem Finanzamt bekannt ist oder wird, dass jemand mit Kryptowährungen Gewinne erzielt hat, diese aber nicht in der Steuererklärung angegeben hat, bestehen u.a. folgende Möglichkeiten für das Finanzamt:

  1. Soweit die Finanzbehörde die Besteuerungsgrundlagen nicht ermitteln oder berechnen kann, hat sie sie zu schätzen (§ 162 Abs. 1 Abgabenordnung). Schätzungen habe ich im Zusammenhang mit Kryptowährungen bisher noch nicht erlebt, da diese noch zu jung sind. Das Finanzamt schätzt bei entsprechender Befugnis erfahrungsgemäß relativ hoch, um u.a. auch Druck auf den Steuerpflichtigen auszuüben, seinen Erklärungspflichten nachzukommen. Diese Schätzungspraxis ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung in Deutschland zulässig, solange die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibt.
  2. Steuerhinterziehung wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Diese liegt u.a. vor, wenn jemand den Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder wer die Finanzbehörden pflichtwidrig über steuerlich erhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt und dadurch Steuern verkürzt oder nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt. Der Versuch alleine ist schon strafbar.
  3. Die leichtfertige Steuerverkürzung ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 € geahndet werden kann.
  4. Zudem kann die Finanzbehörde nach Ablauf gewisser Fristen Zinsen und Säumniszuschläge festsetzen.
  5. Diese Grundsätze gelten bereits dann, wenn Einkünfte in der Steuererklärung nicht angegeben wurden, obwohl sie steuerpflichtig sind.

Wie ist die weitere Vorgehensweise?

Im Moment stehen wir an einem für die Steuerpflichtigen sehr ungünstigen Punkt. Vor allem in 2017 und jetzt auch in 2018 wurden sehr viele Personen auf Kryptowährungen aufmerksam und haben – über verschiedene Wege – investiert. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland ist die Zahl sicher noch sehr gering. Aber es wurden mehr. Und gerade im vergangenen Jahr waren teilweise auch massive Gewinne möglich und zum Teil auch realisiert.

Wie oben schon dargestellt, stehen Kryptowährungen nicht ausdrücklich in den deutschen Steuergesetzen drin.

Auch die Finanzverwaltung hat sich bisher nur rudimentär geäußert.

Die Steuerpflichtigen haben also Sachverhalte verwirklicht, bei denen zum Teil nicht klar ist, wie hinsichtlich der Besteuerung zu verfahren ist. Die Steuererklärungen für 2017 müssen aber trotzdem erstellt werden. Wer es selbst macht, dessen Frist ist bereits seit 1.6.2018 abgelaufen. Wer sich die Unterstützung eines Steuerberaters dazu nimmt, hat noch Fristverlängerung bis Jahresende. Aber auch bis dahin wird es wohl keine klare Aussage in den Gesetzen oder seitens der Finanzverwaltung geben.

Werden die Einkünfte nicht angegeben und es stellt sich später die Steuerpflicht der Einkünfte heraus, hat man möglicherweise eine Steuerhinterziehung verwirklicht mit der Gefahr einer Freiheitsstrafe. Gibt man die Einkünfte in der Steuererklärung an und es stellt sich später heraus, dass keine Steuerpflicht vorliegt, hat man evtl. zu viele Steuern gezahlt. Beides sehr unglückliche Situationen.

Ich habe lange überlegt, Kommentare und Fachliteratur gewälzt und verschiedene Gespräche geführt. Ich habe mir einen Lösungsweg für meine Mandanten überlegt, wie gesetzeskonform vorgegangen werden kann, ohne dass die Steuern direkt gezahlt werden müssen. Evtl. später. Aber erst dann, wenn klar ist, welche Handlungen im Zusammenhang mit Kryptowährungen überhaupt steuerpflichtig sind.

Ich bitte um Nachsicht, dass ich den Weg dazu nicht auf meiner Homepage offen darstelle, da hier ja auch meine Wettbewerber problemlos mitlesen können. Mit meinen Mandanten bespreche ich natürlich diesen Weg natürlich gerne.

Wichtige Hinweise zum Schluss

Auf meiner Homepage mache ich nur allgemeine Darstellungen. Ich bemühe mich, die Informationen auf meiner Homepage korrekt und aktuell zu halten. Da sich Gesetze häufiger ändern, kann ich dies nicht garantieren.

Die Informationen sind nicht auf die persönliche Situation realer Personen bezogen und daher nicht für bestimmte Entscheidungen geeignet. Es handelt sich weder um Finanzanlageberatung, steuerliche, rechtliche oder betriebswirtschaftliche Beratung.

Gehen Sie keine Rechtsbeziehung ein und treffen Sie keine Entscheidungen nur auf Basis der auf meiner Homepage veröffentlichten Informationen. Nehmen Sie eine persönliche Beratung in Anspruch, um auf Sie persönlich zugeschnittene und belastbare Informationen zu erhalten.

Weitere Informationen auch hier in meinem Blog.

Sollten Sie Fragen zur Besteuerung von Kryptowährungen oder andere Themenstellungen haben, sprechen Sie mich bitte an. Ich bin Ihnen gerne behilflich. Hier finden Sie meine Kontaktinformationen.

Letzte Bearbeitung dieser Seite: 27.07.2018