Digitaler Nachlass

Juli 27, 2018 AKuntz No comments exist

Der digitale Nachlass

Was ist das überhaupt – digitaler Nachlass?

Die meisten von uns haben heute einen E-Mail-Account. Hinzu kommt in vielen Fällen noch ein oder mehrere Social Media Accounts, z.B. bei Facebook, Twitter, LinkedIn, XING, Google+, Discord und wie sie alle heißen. Ich könnte hier noch eine Vielzahl weiterer Punkte nennen, wichtig sind mir vor allem die, an die man vielleicht nicht direkt denkt. Passwörter zu Cloud-Speichern, Mobilfunk-Verträge, Einkaufsportale wie eBay oder Amazon, Konten bei Online-Banken, Online-Programm-Verträge (z.B. Office 365, Tageszeitungen, Versicherungen, …), Webseiten, Messenger wie WhatsApp, Threema, Telegram und vieles mehr. Zunächst sind dies in den meisten Fällen nur Passwörter. Im Falle des Ablebens ist all dies – und noch einiges mehr – digitaler Nachlass.

Deutlich mehr als die Hälfte aller Deutschen nutzt das Internet und hinterlassen darin ihre Spuren. Und nun die Frage: Wer erbt diese Daten, wenn etwas passiert? Natürlich die Hinterbliebenen: Aber wie kommen diese an die Daten ran?

Wo ist das Problem?

Spätestens jetzt beginnt die Problematik.

Der Erblasser ist zwar verstorben, aber immer noch online.

Die Verträge laufen erst mal weiter. Und kosten damit auch weiterhin Geld. Solange diese nicht gekündigt werden, vermindert sich das Erbe immer weiter. Wenn Lastschrifteinzugsermächtigungen erteilt waren und die entsprechenden Konten bei den Banken nicht gelöscht werden, werden die Gelder nach und nach aufgezehrt. Das ist meist aber nicht im Interesse des Erblassers, da häufig gewünscht ist, dass das Erbe auch an die Erben geht, und nicht an fremde Unternehmen.

Hinzu kommt: häufig wissen die Erben gar nichts vom Umfang des digitalen Nachlasses. Erst wenn im E-Mail-Postfach des Erblassers nichts mehr reinpasst, keine Rechnungen mehr digital dem Erblasser zugestellt werden können und von diesem auch nicht mehr bezahlt werden, kommen Mahnungen per Post oder der Gerichtsvollzieher klingelt an der Tür. Spätestens jetzt erfahren die Erben vom digitalen Nachlass. Und haben plötzlich viel Arbeit.

Also müssen sich die Erben darum kümmern, die Verträge zu kündigen. Solche rein digitalen Verträge selbst zu kündigen, ist schon schwer. Müssen sich aber die Erben darum kümmern, wird es fast zu einem Ding der Unmöglichkeit. Die Passwörter sind häufig nicht bekannt, so dass der einfachste Weg – Einloggen in das Konto – häufig versperrt ist. Also suchen die Erben stunden- und tagelang im Internet bei den unterschiedlichsten Unternehmen Hilfeseiten nach Ansprechpartnern durch, die helfen können.

Noch schwieriger wird es, wenn die Accounts bei ausländischen Unternehmen liegen. Dann gibt es zusätzlich die sprachlichen Hürden.

Spannend ist in dem Zusammenhang auch der Umgang mit „speziellen“ Internet-Angeboten, z.B. Online-Casinos, Glücksspielmöglichkeiten, Dating-, Flirt- und Erotikportale. Diese Anbieter arbeiten oft nur mit im Voraus bezahlten Geldern. So habe ich von einer Studie gehört (leider weiß ich nicht mehr, wo und von wem diese gemacht wurde), dass diese Anbieter angeblich zwischenzeitlich schon insgesamt Millionenbeträge eingenommen haben, die von den jeweiligen Nutzerkonten nicht mehr abgerufen werden. Möchte man als Erblasser diese Beträge bei diesen Unternehmen stehen lassen? Oder möchte man auch hierfür eine Möglichkeit finden, diese wieder den Erben zukommen zu lassen?

Was können die Erben mit dem digitalen Nachlass tun?

Nach dem Tod des Account-Inhabers sind die Möglichkeiten für die Erben zum Umgang mit dem digitalen Nachlass eingeschränkt. Es gibt ein paar professionelle Dienstleister, die sich kümmern, z.B. Columba oder Pacem Digital. Diese sind teilweise nur über den Bestatter buchbar und lassen sich ihre Arbeitszeit – das ist die Arbeitszeit, die die Erben ansonsten investieren müssten – gut bezahlen. Das ist also eine recht teure Angelegenheit. Das Facebook-Konto kann in einen sog. Gedenkzustand versetzt werden. Aber die Inhalte an sich bleiben bestehen. Das ist häufig nicht das, was die Erben oder vielleicht auch der Erblasser sich gewünscht haben.

Zudem gibt es noch verschiedene Online-Angebote. Diese sind sicherlich mit Vorsicht zu genießen, denn häufig wird angeboten, Devices und Onlinedienst unkontrolliert nach Passwörtern zu durchsuchen, darunter sind dann durchaus auch mal Bankkontozugänge o.a.). Bevor die Erben die Informationen erhalten, liegen diese bei dem jeweiligen Dienstleister schon vor. Ich will nicht generell sprechen oder verurteilen, aber dem Betrug wird damit die Tür recht weit aufgemacht.

Was kann zu Lebzeiten schon getan werden?

Nach meinen Erfahrungen macht es am meisten Sinn, auch beim digitalen Nachlass bereits zu Lebzeiten vorzusorgen. Diese Vorsorge beinhaltet eine Übersicht über sämtliche Accounts und Onlineverträge, Passwörter dazu und auch zum Einloggen am Rechner und am Smartphone.

Außerdem gehört eine Anweisung dazu, wie mit den jeweiligen Accounts nach dem Ableben zu verfahren ist.

Eine solche Übersicht könnte z.B. wie folgt aussehen:

Nach meinem Verständnis gehört dies dann auch mit Datumsangabe unterzeichnet, wie ein Testament. Diese Übersicht könnte tatsächlich Teil einer Vorsorgevollmacht oder eines Testaments werden.

Und wie kommen die Hinterbliebenen an diese wichtige Information zum digitalen Nachlass?

Sie informieren eine Vertrauensperson, z.B. Ehegatten. In einem solchen Fall bietet es sich an, nur für den schlimmsten Fall eine weitere Person zu informieren. Denn es kommt leider öfter vor, dass Ehegatten ein evtl. tödlicher Unfall zeitgleich passiert, z.B. im Urlaub ein Autounfall. Eine solche weitere Person kann eine Vertrauensperson innerhalb oder außerhalb des engsten Familienkreises sein, außerhalb der Familie z.B. auch ein Notar oder der Steuerberater. Falls Sie wünschen, dürfen Sie mich gerne darauf ansprechen.

Bei dieser Vertrauensperson ist der Schlüssel (dies kann ein Banksafeschlüssel oder ein elektronischer Schlüssel z.B. zu einer Software, in der diese Informationen gespeichert sind oder ein verschlüsselter USB-Stick sein) sicher aufbewahrt. Mindestens im Testament oder in der Vorsorgevollmacht sollte diese Person Erwähnung finden, damit die Erben wissen, woher sie den Zugang zum digitalen Nachlass erhalten können.

Gerade wenn eine familienexterne Vertrauensperson hinzugezogen wird, die zur Verwaltung des digitalen Nachlasses klare Informationen erhält, kann man den eigenen Erben eine Menge Arbeit ersparen. Und wenn einzelne der oben genannten „speziellen“ Internetangebote im digitalen Nachlass enthalten sind, kann diese Vertrauensperson beauftragt werden, solche Verträge zu kündigen und das jeweilige Guthaben zurückerstatten zu lassen, bevor es unter den Erben zu Gerede über den Erblasser und seinen Lebensinhalt führt.

Wie wird richtig vorgesorgt?

Sollten Sie noch den kompletten Überblick über all ihre Online-Aktivitäten haben (dazu gehört auch der E-Mail-Account aus Schulzeiten, der schon seit zehn Jahren nicht mehr genutzt wird) schreiben Sie diese auf.

Sollte dieser Überblick weg sein – auch nur in Teilen – können Sie sich zunächst damit trösten, dass es der Mehrzahl der Internet-Nutzer genauso geht. Und Sie können jetzt anfangen, wieder mehr System zu etablieren.

Schreiben Sie während der nächsten zwei Wochen ein detailliertes Online-Tagebuch. Jedes Login, jeder neu angelegte Account, alles wird erfasst. Bankaccount, Soziale Medien, Online-Spiele, Blogzugang, Homepage, E-Mail-Accounts. Zur Not tut’s dafür im ersten Schritt auch ein Blatt Papier. Eine Excel-Tabelle theoretisch auch, die sollte aber verschlüsselt sein, falls Ihr Computer einem Angriff unterliegen sollte.

Danach kennen Sie zumindest die wesentlichen Bestandteile Ihres digitalen Nachlasses.

Im nächsten Schritt überlegen Sie, was damit nach Ihrem Tode passieren soll. Alles löschen? Oder bei Facebook z.B. eine Trauerseite einrichten? Und was passiert mit Familienfotos und -videos auf der Festplatte des heimischen Computers? Es gibt viele Möglichkeiten. Sollten Sie sich nicht entscheiden können, schreiben Sie doch zunächst mal „löschen“ in den digitalen Nachlass. Die Hinterbliebenen brauchen klare Anweisungen, denn sie können Sie nicht mehr fragen. Denn ab jetzt denken Sie öfter daran. Und wenn Sie merken, dass Sie etwas doch nicht gelöscht haben wollen, ändern Sie Ihre Aufzeichnung entsprechend.

Wohin mit den Informationen?

Wie oben dargestellt, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Aufbewahrung. Sie geben das gesammelte Werk einem Dienstleister, der sich um die Vorsorge und Verwaltung des digitalen Nachlasses kümmert. Wenn Sie die Daten nicht bei Dritten haben wollen, folgen Sie der Empfehlung der Verbraucherzentrale und speichern alles auf einem verschlüsselten USB-Stick – nicht vergessen, den Code zur Entschlüsselung den Erben bekannt zu machen. Oder Sie erfassen alles handschriftlich und legen das Ganze dem Testament oder der Vorsorgevollmacht bei.

Wichtige Hinweise zum Schluss

Auf meiner Homepage mache ich nur allgemeine Darstellungen. Ich bemühe mich, die Informationen auf meiner Homepage korrekt und aktuell zu halten. Da sich Gesetze häufiger ändern, kann ich dies nicht garantieren.

Die Informationen sind nicht auf die persönliche Situation realer Personen bezogen und daher nicht für bestimmte Entscheidungen geeignet. Es handelt sich weder um Finanzanlageberatung, steuerliche, rechtliche oder betriebswirtschaftliche Beratung.

Gehen Sie keine Rechtsbeziehung ein und treffen Sie keine Entscheidungen nur auf Basis der auf meiner Homepage veröffentlichten Informationen. Nehmen Sie eine persönliche Beratung in Anspruch, um auf Sie persönlich zugeschnittene und belastbare Informationen zu erhalten.

Sollten Sie Fragen zum digitalen Nachlass oder zu anderen Themenstellungen haben, sprechen Sie mich bitte an. Ich bin Ihnen gerne behilflich. Hier finden Sie meine Kontaktinformationen.

Letzte Bearbeitung dieser Seite: 27.07.2018

 

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