Kryptowährungen und Bitcoin im deutschen Steuerrecht

März 26, 2018 AKuntz No comments exist

In Deutschland haben sich bisher die Bundesregierung und die Finanzverwaltung zum steuerlichen Umgang mit Kryptowährungen geäußert. Die Grundsätze aus diesen beiden Äußerungen möchte ich im Folgenden kurz zusammenfassen:

1. Generierung von Kryptowährungen

Zunächst muss unterschieden werden, ob es sich bei der Generierung von Kryptowährungen um eine gelegentliche oder um eine gewerbliche Tätigkeit handelt. Im Falle der gelegentlichen Tätigkeit kann es sich um Einkünfte aus sonstigen Leistungen im Sinne des § 22 Nr. § EStG handeln; diese sind erst ab einem Betrag von 256 € pro Kalenderjahr einkommensteuerpflichtig.

Stattdessen können Bitcoins und andere Kryptowährungen auch im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht angeschafft oder hergestellt werden. Gewinne aus der Veräußerung oder dem Tausch der Kryptowährung sind in diesem Fall als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu erfassen. Kosten, die im Zusammenhang mit der Generierung der Kryptowährung entstehen, sind hierbei als Betriebsausgaben abzugsfähig.

2. Kauf und Verkauf von Kryptowährungen im Privatvermögen

Falls die Zeitspanne zwischen Erwerb und Veräußerung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen nicht mehr als ein Jahr beträgt, führen Gewinne und Verluste aus dem Verkauf zu sonstigen Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften. Bezüglich der Anschaffungskosten ist die sog. Fifo-Methode anzuwenden, falls Bitcoin oder andere Kryptowährungen in mehreren Tranchen erworben wurden. Sofern in diesem Bereich Gewinne erzielt werden, gilt eine jährliche Freigrenze von 600 €. Sollten Verluste erwirtschaftet werden, gehören diese auch in die Steuererklärung. Sie können allerdings nur mit zukünftigen Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

Als zusätzliche Voraussetzung muss berücksichtigt werden, dass die Bitcoins oder anderen Kryptowährungen nicht selbst generiert wurden. Erstens kommt dann die unter 1. genannte Konsequenz zur Anwendung. Zweitens kann die Vorschrift über private Veräußerungsgeschäft nicht greifen, da die Kryptowährungen in diesem Fall nicht angeschafft wurden.

3. Hingabe von Kryptowährungen als Zahlungsmittel

Werden Bitcoins oder andere Kryptowährungen als Zahlungsmittel eingesetzt, gilt diese Hingabe als Veräußerung der jeweiligen Kryptowährungseinheiten. Sind die Voraussetzungen für ein privates Veräußerungsgeschäft erfüllt, führt dieser Vorgang ebenfalls zu sonstigen Einkünften aus privaten Veräußerungsgeschäften.

Da die Kryptowährung für den Erwerb einer bestimmten Ware oder Dienstleistung eingesetzt wird, ist der Wert der Ware oder Dienstleistung in Euro als Veräußerungspreis der Kryptowährung anzusetzen. Auch in diesem Fall sind bei der Gewinnermittlung aus dem Verkauf der Kryptowährung die Anschaffungskosten vom Veräußerungspreis abzuziehen.

4. Umsatzsteuerrechtliche Fragen im Zusammenhang mit Kryptowährungen

Bereits der EuGH hat mit Urteil vom 22.10.2015 geklärt, dass es sich beim Umtausch von konventionellen Währungen in virtuelle Währungen und umgekehrt einerseits um eine Dienstleistung gegen Entgelt handelt. Diese ist allerdings umsatzsteuerfrei, sowohl nach Vorschriften der europäisch harmonisierten Umsatzsteuer-Systemrichtlinie als auch nach dem deutschen Umsatzsteuergestz. Soweit die Kryptowährungen keinem anderen Zweck als dem eines reinen Zahlungsmittels entsprechen, sind sie der Verwendung von konventionellen Zahlungsmitteln gleichzusetzen. Werden also Bitcoin oder andere Kryptowährungen nur zur Begleichung von Rechnungen hingegeben, ist diese Entgeltentrichtung nicht umsatzsteuerbar.

Akzeptiert allerdings ein umsatzsteuerrechtlicher Unternehmer für eine von ihm erbrachte Lieferung oder sonstige Leistung Kryptowährungen, schuldet er für den diesbezüglichen Umsatz die gesetzliche Umsatzsteuer.

Soviel erst mal zu den Äußerungen der deutschen Bundesregierung und des deutschen Finanzministeriums.

5. Weitere Ergänzungen

Ungeklärt ist weiterhin die umsatzsteuerrechtliche Behandlung des Generierens von Kryptowährungen (Mining). Die Europäische Kommission hat hierzu Erörterungen im Mehrwertsteuerausschuss angestoßen, allerdings sind diese bisher noch nicht abgeschlossen.

Auffällig ist weiterhin, dass in den Äußerungen die Worte Bitcoin und Kryptowährungen weitgehend synonym genutzt werden. Die Blockchain allerdings deutlich weitere Einsatzbereiche, als nur konventionelle Währungen zu ersetzen. Diese Schreiben gehen das Thema also nicht umfassend an. Was dargestellt wird, ist die am ehesten massentaugliche Thematik, dass Bitcoin gehandelt werden (Kauf und Verkauf).

Wie eingangs dargestellt, wollte ich hier nur mal einen kurzen Überblick über die Sichtweise der deutschen Bundesregierung und der deutschen Finanzverwaltung geben. Damit sind leider noch lange nicht alle Fragen geklärt.

Es stellen sich weiterhin eine Menge Fragen. Zum Beispiel stellt sich auch die Ermittlung der Einkünfte für den ganz einfachen – und fast schon alltäglichen – Fall, dass ein Anleger auf einer Online-Plattform Kryptowährungen gekauft und wieder verkauft hat, als durchaus schwierig dar. Eine Rolle spielt darin unter anderem, dass die Handelsplattformen eine Datenaufbereitung für deutsche (steuerliche) Zwecke weder kennen noch zur Verfügung stellen. Hier bleibt es jedem selbst überlassen, wie er die in Deutschland steuerpflichtigen Daten korrekt zusammenstellt und in der Steuererklärung angibt.

Ungeachtet dessen darf diese Problematik aber nicht liegen gelassen werden. Der Nutzer der Kryptowährungen trägt das Risiko, ungewollt streuerstrafrechtlich relevante Tatbestände zu verwirklichen.

Fragestellungen in diesem Zusammenhang können wir gerne diskutieren. Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

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